Ich werde immer wieder gefragt, wie das mit dem Podcasten denn  funktioniert und was man beachten sollte. Weil es praktischer ist, schreibe ich jetzt mein ganzes technisches Know-How in diesen Beitrag. Achtung: Ich bin kein Experte. Alles, was ich weiß, habe ich mir selbst beigebracht. Radiomacher und Audiotechniker werden vielleicht bei der einen oder anderen Sache den Kopf schütteln – für mich funktioniert das aber und ich bin, wie meine Hörer*innen, mit der Qualität in der Regel sehr zufrieden.

1. Aufnahmegerät. Ich habe mir ein Zoom H-6 für gut 300 Euro gekauft. Das ist ein – 2018 – state of the art Aufnahmegerät. Ich mache Interviews an einem Tisch, man kann aber auch auf der Straße damit rumlaufen und es Leuten vor die Nase halten. Man kann sich auch ältere Versionen davon kaufen, früher habe ich das H-4 verwendet, das ist auch okay und kostet 100 Euro weniger. Man kann auch, wie ich anfangs, mit dem Handy beginnen und ein Mikro anstecken. Ich kaufe mir aber gerne „heißen Scheiß“ und das ist das H-6, modern, praktisch, intuitiv.

2. Sonstige Hardware. Ihr könnt das Aufnahmegerät euren Gästen beim Reden hinhalten. Wenn ihr aber wie ich längere Gespräche aufnehmt, sind Standmikros besser. Ich habe mir 2 t.bone SC400 gekauft. Ich habe schon einiges probiert und die Qualität ist fantastisch. Dabei sind zwei Pop-Filter. Muss nicht sein, aber macht euer „P“ weicher, wenn man von poppenden Popcorn spricht, hört sich das besser an. Pro Mikro fielen 60 Euro an. Um sie auf dem Tisch festzumachen, braucht ihr noch Stative (bei mir Millenium DS100, 33 Euro pro Stück). Volle Ausrüstung: 500 Euro (bei Thomann.de). Wie habe ich ausgewählt? Ich habe sendegate.de darum gebeten, mir ein Set zusammenzustellen. Erfahrene Podcaster*innen beantworten euch dort geduldig alle Fragen. Große Empfehlung!

3. Aufnahme. Ihr habt alles montiert? Jetzt müsst ihr das Zoom noch  konfigurieren. Ich habe es nach dieser Anleitung gemacht. Dann einfach aufnehmen und herumprobieren. Setzt euch Kopfhörer auf, während ihr aufnehmt. Ihr wollt sofort hören, wie sich das anhört. Schnell merkt man, dass man zum Beispiel lieber keinen Zettel in der Hand hat. Das Rascheln hat man sofort im File. Ich nehme iPhone-Kopfhörer, dann kriege ich auch noch etwas von der „Welt da draußen“ mit. Ich sagen meinen Gästen, dass zwischen Mund und Mikro etwa 20 cm Abstand sein sollen. Viele neigen außerdem dazu, am Mikro vorbeizuschauen, weil man bei einem Gespräch lieber nix zwischen dem Gesprächspartner und sich hat. Seid streng: Ich sage immer, du redest bitte nicht mir sondern mit dem Mikro.

4. Bearbeiten. Speicherkarte raus, in den Mac oder ins Lesegerät und runter damit. Wenn 2 Mikros angesteckt waren, habt ihr 2 WAV-Dateien. Jetzt braucht ihr eine Software zum Schneiden. Audacity ist gratis, damit habe ich angefangen, dann habe ich mir Hindenburg Journalist gekauft. Es kostet 85 Euro und ist großartig. Wenn man noch nie geschnitten hat, muss man sich herumspielen. Ich habe das schon öfter gemacht und hatte den Dreh sofort raus, es ist für Podcaster*innen und Radioleute gemacht und wirklich ein Traum. Wer mehr wissen möchte, bitte googeln oder hier nachlesen. Weil ein Jingle am Anfang nett ist, findet ihr hier gratis Musik, die ihr unter Angabe der Quelle frei verwenden könnt. Fertig? Exportieren! Ich wähle „hohe Qualität“, „MP3“, „mono“. Mono heißt, dass  beide Spuren (ich und der Gast) auch auf beiden Ohren gleichmäßig zu hören sind. Das Gegenteil ist stereo, dann hört man mich links und den Gast rechts, glaubt mir, das wollt ihr nicht. MP3 macht die Dateien viel kleiner, ohne Qualität zu verlieren. Meine letzte Aufnahme dauerte 25 Minuten, 2 WAV-Dateien á 160 MB, die MP3-Datei hatte am Ende 42 MB. Damit verbraucht euer Podcast nicht das ganze Datenvolumen eurer Hörer*innen. Ich bereinige alle meine Files mit Auphonic, wenn man es viel verwendet kostet es 11 Euro im Monat, am Anfang ist es gratis. Es macht das File sauberer, kleiner (aus 42 MB werden 25 MB) und gleicht die Lautstärke aus (wenn ihr leiser redet als euer Gast zum Beispiel). Ich glaube, dass man das auch mit Hindenburg selbst machen könnte, aber es funktioniert einfach toll mit Auphonic, also gönne ich mir diesen Luxus.

5.  Hosting. Und jetzt? Wohin damit? Anfangs nutzte ich Soundcloud. Das ist okay, aber nicht perfekt, weil es eigentlich für Musiker*innen gemacht ist. Später bin ich auf Simplecast umgestiegen. Es gibt zig Anbieter, vielleicht bessere. Mir ist Simplecast ein paar Mal empfohlen worden, ich habe es mir angeschaut und fand es gut. Es kostet 12 Dollar im Monat. Viele Indie-Podcaster*innen nutzen Podlove (Anleitung). Ich habe es gerne so einfach wie möglich, Simplecast wird seinem Namen gerecht. Simplecast spuckt einen RSS-Feed aus. Wenn ihr gute Statistiken wollt, tragt den RSS-Feed noch bei Feedburner ein (siehe Punkt 7) – die erstellen einen neuen Feed, der ist dann euer einzig Relevanter, den ihr nutzt.

6. Podcasting-Apps. Wie hören die Leute Podcasts? Die meisten über das iPhone oder Apps, die auf iTunes zugreifen. Also: Bei Apple eintragen. Nach 1-2 Tagen ist euer Podcast auf iTunes. Dann gibt es noch unendlich viele andere, kleine Apps, über die man Podcasts hören kann. Mich zum Beispiel auf: Spotify, Castbox, Pocket Casts, Player FM, Podcast Addict, Acast, Stitcher, AntennaPod, TuneIn. Ich bin mir ziemlich sicher, dass man meinen Podcast überall hören kann – zumindest habe ich viel durchprobiert und noch nie eine Beschwerde bekommen, dass man meinen Podcast nicht findet. Dazu müsst ihr ihn meist überall einzeln eintragen – ich habe ihn zusätzlich noch bei sicher 10 oder 15 Verzeichnissen eingetragen („Podcast Verzeichnis“ googeln).

7. Statistiken. Jetzt wollt ihr sicher wissen, wie viele zuhören? Wenn ihr Simplecast nutzt haben die okaye Statistiken für euch. Gemessen wird das in Downloads. Man weiß dann also nur, wie viele Leute sich eine Folge heruntergeladen haben. Seit einiger Zeit gibt es aber auch Beta-Statistiken von iTunes, die mehr können. Mir zeigen sie zum Beispiel, dass sich die Leute im Schnitt 80 Prozent der Folge anhören, wenn sie sie runterladen. Das ist auch bei anderen populären Podcasts so und ein toller Wert. Wenn ihr noch wissen wollt, wie viele euren Podcast abonniert haben (das ist nicht so wichtig, aber trotzdem interessant), könnt ihr wie ich zusätzlich Feedburner nutzen. Die Werte schwanken, schaut auf einen (nehmt Dienstag, Mittwoch oder Donnerstag) und vergleicht ihn über die Zeit.

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Mich hat die Grund-Ausrüstung inklusive Schnitt-Software also einmalig knapp 600 Euro gekostet. Im Monat zahle ich dann noch einmal circa 20 Euro für Hosting und Auphonic. Wenn ihr ein paar Test-Aufnahmen macht und euch mit dem Schneiden spielt habt ihr den Dreh schnell raus. Natürlich gibt es dann noch viele kleine Details, aber da hilft die klassische Anleitung zu den Geräten, Google und sendegate.de. Viel Spaß!