Kategorie: Blog (Seite 2 von 4)

Weniger Republikaner:innen wollen Trump

Mehr hier.

Der Einfluss der Geldpolitik

In each of the five worst weeks for American stocks in 2022, shares plunged by about 5%. All of them took place immediately before or after a Fed meeting.

The economist

Zum Beitrag.

300 Tage Krieg

„Gäbe es das ukrainische Militär nicht, gäbe es die Ukraine als Staat nicht mehr.“

Was ich 2022 gelesen habe

Hier auf Goodreads könnt ihr euch die Bücher alle einzeln anschauen.

John Mearsheimer über Putins Ambitionen

In chaotischen Zeiten ist es wichtig, möglichst viele fundierte Seiten zu hören. Die Sicht von John Mearsheimer, Professor für Internationale Politik an der Universität Chicago, widerspricht den – ebenfalls fundierten – gängigen Erzählungen. Sie ist es wert gehört zu werden.

No, I’ve thought from the beginning that this conflict is all about balance-of-power politics. The conventional wisdom in the United States is that it’s not about balance-of-power politics, and, in fact, Putin is an imperialist who is interested in conquering Ukraine for the purpose of making it part of a greater Russia. I don’t think that is the case. I don’t think he had or has imperial ambitions. What motivates him is fear of Ukraine becoming a part of NATO.

John Mearsheimer im NEW YORKER

Hier das ganze Interview im New Yorker.

Die Kriminalität sinkt und keiner merkt es.

So gab es 2012 noch fast 3600 Anzeigen wegen Raubes, 2021 nur noch 1780. Das entspricht einer Halbierung binnen zehn Jahren. Ähnlich sieht es bei Haus- und Wohnungseinbrüchen aus: Waren es im Jahr 2012 rund 15.000, gab es 2019 8800. Autodiebstähle gingen innerhalb der Dekade sogar von 3800 um zwei Drittel auf knapp 1200 zurück. Und die Eigentumskriminalität insgesamt sank von 237.000 auf 109.000 Straftaten.

DER STANDARD

Das subjektive Sicherheitsempfinden ist wohl eher nicht gestiegen. Warum? Weil der Mensch die Welt nicht durch Statistiken wahr nimmt. Mehr dazu im STANDARD.

Realist Walt zum Ukraine-Krieg.

The United States’ foreign-policy establishment doesn’t like admitting it’s made mistakes, and pinning all the blame for the war on Putin is a “get out of jail free” card that absolves proponents of NATO enlargement of any role in this tragic turn of events. Putin clearly bears enormous personal responsibility for this illegal and destructive war, but if prior Western actions made his decision more likely, then Western policymakers are not blameless.

Stephen walt

Der Text von Stephen Walt in Foreign Policy ist äußerst lesenswert.

„Stockkonservativ.“ Warum gehen Männer kaum in Karenz?

Katharina Mittelstaedt hat im STANDARD einen tollen Text dazu verfasst.

„Wir sehen im deutschsprachigen Raum, aber etwa auch in Japan ein sehr stark ausgeprägtes Mutterschaftsideal“, sagt Paul Scheibelhofer, Männlichkeitsforscher am Institut für Erziehungswissenschaften der Universität Innsbruck. Mutterschaft werde einerseits völlig überhöht, „gleichzeitig werden an Mütter enorm hohe Erwartungen geknüpft“.

Die Zahlen sind erschütternd.

Im September 2022 haben fast 100.000 Frauen Kinderbetreuungsgeld bezogen – und nur 5085 Männer.

Im Jahr 2021 hatten drei Viertel aller arbeitenden Mütter mit Kindern unter 15 Jahren einen Teilzeitjob, aber nur jeder zehnte Mann.

Es gehen mehr Männer in Karenz als früher, aber nur 1 Prozent der Väter ist länger als 6 Monate in Karenz.

Der große Gender Pay Gap macht das Problem noch schwerer zu lösen. Ich habe dazu einmal diesen Text verfasst.

Der Erklär mir die Welt-Jahresrückblick 2020

  • Erklär mir die Welt gehört auf Apple und Spotify zu den am meisten gehörten Podcasts des Landes
  • Durch den ersten Lockdown sind die Hörer*innen-Zahlen leicht gesunken, danach weiter gewachsen
  • Serien zu den USA und zu Corona waren besonders beliebt, einige neue Projekte wurden umgesetzt

Mein persönliches Fazit?

Ein tolles Jahr, in dem sich Erklär mir die Welt als einer der beliebtesten Podcasts in Österreich etabliert hat. Und das, obwohl es viel neue Konkurrenz gibt. Podcasts sind endgültig in Österreich angekommen. Ich habe neue, coole Leute kennengelernt und nebenbei viel gelernt. Mittlerweile ist der Podcast sogar ein gutes Geschäft.

Wie haben sich die Zahlen entwickelt?

Gut. Im ersten Halbjahr sind sie leicht zurückgegangen. Ich denke das liegt daran, dass weniger Wege, auf die Uni, in die Arbeit, zur Schule, zurückgelegt wurden. Dann sind die Downloads aber weiter gestiegen.

Ab Mitte des Jahres gibt es einen statistischen Bruch, die Zahlen sind nicht mehr 100%ig mit denen davor vergleichbar. Die Spotify-Daten, die ich zuvor manuell eingefügt habe, werden jetzt automatisch bei meinem Hoster Simplecast berechnet. Dort werden die Zahlen von Spotify aber um bis zu zwei Drittel abgesenkt. Das heißt die neuen Zahlen sind etwas niedriger als die zuvor.

Durchschnittliche Downloads pro Woche 2018:   6.589 (41 Folgen)
Durchschnittliche Downloads pro Woche 2019: 13.678 (50 Folgen)
Durchschnittliche Downloads pro Woche 2020: 17.731 (57 Folgen)

Was hat 2020 sonst gebracht?

  1. Weil es den Podcast schon seit 2018 gibt, war mir wichtig, ihn weiter zu entwickeln. Basis dafür war eine Hörer*innen-Befragung im Mai, bei der 558 Leute Feedback und Vorschläge gegeben haben.
  2. Um laufend Feedback zu bekommen und Ideen auszutauschen, habe ich eine bewusst bunt gemischte WhatsApp-Feedback-Gruppe mit elf Personen gegründet, die mir seither sehr hilft.
  3. Neben dem beliebten Erklär-Format in Erklär mir die Welt gibt es seit heuer »deep dive«. Ich tauche mit interessanten Menschen tiefer in Themen ein, rede über das Leben, die Welt, Wissenschaft; die Folgen dauern länger und sind nerdiger. Love them (ihr scheinbar auch)!
  4. Ich habe begonnen, am Ende des Podcasts Bücher, Filme, Dokus, Podcasts etc. zu empfehlen, die ich selbst gerne mag. Die kommen gesammelt auf die neue Homepage, die 2021 endlich kommen wird.
  5. Es gibt seit heuer „Werbung für den guten Zweck“. Wenn der Werbeplatz in Erklär mir die Welt frei ist, stelle ich ihn karitativen Zwecken zur Verfügung. Mehr Infos dazu hier.
  6. Ich habe eine positive Frauenbilanz bei den Gästen zusammengebracht. Heuer waren 54 Prozent der Gäste im Hauptformat Frauen (28 von 52), deep dive kommt noch auf 0% (0 von 3, wird sich sehr bald ändern). Unter allen bisher erschienenen Folgen beträgt die Frauenquote 48%.
  7. Erklär mir die Welt ist etwas aktueller geworden. Ich habe zu Beginn versucht, mich gänzlich vom »News cycle« fernzuhalten. Der Podcast ist und soll »langsam« sein. Was aber sehr gut ankommt sind Hintergründe zu aktuellen Ereignissen (wie die Serie zu den US-Wahlen). Davon soll mehr kommen.

Wie geht es weiter?

Ich habe viele Projekte in der Pipeline. Konkret ist, dass bald eine neue Homepage kommt. Sie soll eine gute Übersicht für Einsteiger*innen geben und Fans zusätzliche Infos und Material liefern. Außerdem möchte ich mehr mit Lehrer*innen und Schulen zusammenarbeiten. Erklär mir die Welt ist dafür prädestiniert und wird jetzt schon von vielen Lehrer*innen eingesetzt.

Ich möchte mehr Inhalte für Klassen und Lehrer anbieten und das gemeinsam mit Expertinnen ausarbeiten. Wenn Corona hoffentlich vorbei ist, habe ich auch einige Ideen für den Ausbau der Community im Kopf, regelmäßige Treffen, Live-Aufnahmen, vielleicht sogar Wanderungen. Ich hoffe, dass die Pandemie das bald zulässt.

Ansonsten gibt es noch ein paar unkonkrete Ideen. Ich möchte neue Zielgruppen erschließen (vor allem konservativere Hörer*innen & Menschen, die formal niedrigere Bildungsabschlüsse haben) und Erklär mir die Welt soll auch YouTube zu finden sein (wie, weiß ich noch nicht). Die Themen sollen noch diverser werden, ich möchte auch in Gebiete vorstoßen, die mir selbst fremd sind (zum Beispiel Technik).

Außerdem habe ich eine sehr, sehr unkonkrete Idee von einer Art »School of Life«, also einem breiteren Bildungsangebot um Erklär mir die Welt. Das könnte aber auch erst 2022 kommen oder vielleicht auch nie, wer weiß das schon? Wer Vorschläge und Ideen hat, darf sich sehr gerne bei mir melden.

Gemeinsam sind wir alle dümmer. „Under the Influence“ von Robert Frank

Ich habe ein fantastisches Buch gelesen, von dem ich euch kurz erzählen möchte. „Under the Influence: Putting Peer Pressure To Work“ von Robert Frank hat mir ein paar Sachen neu gelernt und andere anders eingeordnet (und mich politisch nach links gerückt?). Let me explain. ⬇️

Beispiel 1: Als man früher Eishockey noch ohne Helm spielen durfte, haben das die meisten gemacht. Man hat einen kleinen Vorteil, weil man mehr sieht. Fragte man die Spieler aber, waren die meisten für eine Helmpflicht. Auch wenn sie selbst keinen trugen. Der wichtige Punkt:

Auch wenn etwas individuell rational ist (keinen Helm zu tragen, wenn man besser spielen will), kann es kollektiv irrational sein (wenn alle einen Helm tragen hat das den gleichen Effekt wie, wenn keiner einen tragt). Es gibt also 1 legitimes Interesse für Anreize für Individuen.

Wie im Stadion: Wenn alle aufstehen, damit sie mehr sehen, sieht keiner mehr was. Es hätten auch alle einfach sitzenbleiben können. Trotzdem ist es individuell rational, mit aufzustehen. Sonst würde man gar nix sehen. Das sind schöne Beispiele ineffizienten, kollektiven Handelns.

Und was sagt uns das jetzt? Wir entscheiden im Kontext. Immer. Nicht nur beim Eishockey, sondern auch, wenn wir arbeiten, heiraten, ein Haus bauen, uns ein Auto zulegen. Und was individuell sinnvoll ist, ist kollektiv oft sinnlos. Das macht das Leben schlechter. Stay with me.

Beispiel 2: Frank ließ sein Haus renovieren. Die Arbeiter nutzten kein Gerüst, um nach oben zu kommen, sondern nur ein paar Kübel und Bretter. Das war gefährlich und sie fielen auch tatsächlich ab und zu runter. Er fragte sie, warum sie nicht einfach 1 Gerüst nehmen?

Sie meinten, das dauert länger. Der Ökonom ordnet das so ein: Im Trade Off zwischen Einkommen & Sicherheit haben sie sich für ersteres entschieden. Das ist für sich nicht irrational. Dann merkte Frank aber, dass alle Arbeiter mit nigelnagelneuen Vans zu ihm fuhren. Wieder …

fragte er sie: Wäre es nicht besser, einen 2 Jahre alten Van zu kaufen und das Geld, das ihr spart, für ein ordentliches Gerüst auszugeben, mit ihr sicher seid? Sie schüttelten den Kopf. Es kam für sie nicht infrage, ein gebrauchtes Auto zu besitzen. Jetzt wertet Frank so:

Ein neuer Van kann nicht mehr als ein 2 Jahre alter. Würden alle Kollegen auch einen gebrauchten Van fahren, wäre es überhaupt kein Problem. Weil wir aber im Kontext entscheiden und sich verschiebt, was „gut“ ist, handeln die Arbeiter kollektiv irrational. Sie verschwenden Geld.

Autos sind „positional goods“. Wer ein „spezielles“ Auto, zB ein sehr schnelles oder teures besitzt, ist in der Skala oben. Das betrifft btw nicht nur Arbeiter*innen, sondern gilt auch für teure Hochzeiten, Dachgeschoßwohnungen, Räder, etc. Damit gibt es aber ein Problem …

Denn es gibt, per Definition, nur ein begrenztes Volumen an speziellen Dingen. Speziell macht sie ja, dass sie mehr oder besser sind als das, was andere haben. Die Autos werden also immer größer, genau wie die Häuser, Hochzeiten etc., ohne dass sich individuell die Lage bessert.

Wir sind reich, das ist kein Problem, wir können uns das leisten, könnte man jetzt denken. Aber, so argumentiert Frank recht überzeugend, wir geben so aber immer mehr und mehr Geld für positional goods aus, die wir eigentlich gar nicht brauchen. Er hat das sogar ausgerechnet.

Forscher*innen können nicht sagen, dass die Menschen in den USA 2018 insgesamt glücklicher waren als 2012. Das BIP ist in der Zeit aber um 2 Billionen USD gestiegen. Nun stellen wir uns vor, wir hätten einen Zauberstab. Mit ihm entscheiden wir, dass die Amerikaner dieses Geld …

für non-positional goods ausgeben. Also etwa für Freizeit. Wenn also die Hochzeiten etwas kleiner ausgefallen wären, die Häuserkäufe auch, hätte man damit 2 Urlaubswochen zusätzlich geben können, eine etwas kürzere Arbeitswoche und mehr Geld für Infrastruktur verwenden können.

Die Evidenz ist sozialwissenschaftlich klar, den Leuten würde es deutlich besser gehen. Frank schließt also, dass uns „expenditure cascades“, so nennt er den sich selbst sinnlos nach oben treibenden Konsum, zumindest 2 Billionen USD kostet. Individuell rational, kollektiv nicht.

Kann sich das nicht jede*r einfach selbst aussuchen? Nein, sagt Frank. Die Wissenschaft ist sich einig darüber, dass man anhand des sozialen Umfeldes eines Menschen viel besser vorhersagen kann, ob er raucht, als am Charakter. Das gilt auch für Gesundheit, Umweltbewusstsein, etc.

Wir sind soziale Wesen & daran kann kein eiserner Wille dieser Welt etwas ändern. Eine Studie legt nahe: Fängt in einer Gruppe Jugendlicher einer zum Rauchen an, steckt er durch sein Verhalten im Durchschnitt einen zweiten damit an. Aus einem Raucher werden zwei, wie bei Corona.

Was gut ist, entscheidet unser soziales Umfeld stark mit. Frank spricht es nicht klar aus, aber er spricht dem Individuum den freien Willen fast ganz ab. Das ist eine komplizierte, philosophische Debatte, es ist aber schwer, nicht zumindest Teile seiner Argumentation zu teilen.

1 Studie hat Anwält*innen von großen Kanzleien in den USA etwa gefragt, ob sie in ihrer Firma lieber hätten, wenn alle 10% weniger arbeiten und verdienen würde. Die große Mehrheit sagte Ja, aber trotzdem wird es nicht umgesetzt. Wenn keine*r damit anfängt, macht es keine*r nach.

Ich finde das Buch ist nicht nur intellektuell lehrreich, als studierter Ökonom habe ich mich immer wieder ertappt gefühlt. Wir lernen in der Standardökonomie etwa vom absoluten Wert eines Guts, dabei geht es sehr oft auch um den relativen. Gerade für Liberale ist das Buch toll.

Wie können wir uns das politisch zunutze machen? Noch ein Beispiel, das letzte, ich schwöre. Der Psychologe Robert Cialdini hat ein Experiment durchgeführt. Er schickte Briefe an Haushalte in San Diego mit 4 vers. Botschaften. Das Ziel war, Haushalte zum Energiesparen zu bringen.

A: Spar‘ Energie für die Umwelt.
B: Spar‘ Energie für künftige Generationen.
C: Spar‘ Energie, dann sparst du dir Geld.
D: Die meisten deiner Nachbarn sparen Energie.

Ratet mal, welche Botschaft am stärksten zu einer Reduktion des Energieverbrauchs geführt hat …

Die Einkommen pro Kopf sind in Österreich seit 1990 um 50 Prozent gestiegen. Natürlich geht es uns materiell besser, Autos sind sicherer, Häuser effizienter, etc.; aber geht es uns wirklich um die Hälfte besser? Oder machen wir nicht doch, wie Frank sagt, viele kollektive Fehler?